englisch deutsch

Koronarangiographie


Die Koronarangiographie ist nach wie vor die genaueste Methode zum Nachweis von Veränderungen der Herzkranzgefäße. Hierzu ist das Einbringen eines dünnen Katheters (in der Regel 1,6 mm im Durchmesser) in eine Arterie (Schlagader) notwendig. Der komplikationsärmste und daher üblicherweise verwendete arterielle Zugang erfolgt über die rechte oder linke Leiste. Die Untersuchung kann aber ebenso über die Arterien in der Ellenbeuge oder die Arterie am Handgelenk durchgeführt werden.

Die so genannten Herzkatheter sind 100 cm lange Kunststoffschläuche, die unter Röntgendurchleuchtung zu den Abgängen der Herzkranzgefäße aus der Aorta (Körperschlagader) manövriert werden. Ihr behandelnder Kardiologe füllt über diese Katheter die Herzkranzgefäße mit Röntgenkontrastmittel. Durch gleichzeitige Röntgendurchleuchtung können dann Veränderungen an den Herzkranzgefäßen auf dem Röntgenschirm sichtbar gemacht werden. Die Untersuchung wird mit speziell für diesen Zweck gefertigten vorgeformten Kathetern durchgeführt, die sich für die beiden Herzkranzgefäße (linkes und rechtes Herzkranzgefäß) unterscheiden, und daher während der Untersuchung gewechselt werden. Für eine genaue Beurteilung ist es außerdem notwendig, jedes Herzkranzgefäß aus verschiedenen Blickrichtungen zu durchleuchten, um keine Verengungen zu übersehen. In der Regel endet die Herzkatheteruntersuchung mit der Röntgendarstellung der linken Herzkammer durch einen speziellen Katheter. Hierbei werden 30-40 ml Kontrastmittel mit dem Herzkatheter in die linke Herzkammer injiziert. In der dann folgenden Durchleuchtung kann man die Größe der Herzkammer, die Pumpleistung des Herzens einschließlich möglicher lokalisierter Störungen der Pumpfunktion sowie die Funktionstüchtigkeit der Herzkappen prüfen. Wenn diese Informationen vorliegen, kann Ihr behandelnder Kardiologe in der Regel unmittelbar entscheiden, welches Vorgehen in Ihrem Fall weiter sinnvoll ist.

Neben dem für Sie natürlich erfreulichsten Ergebnis eines Normalbefundes, der keine weiteren Konsequenzen nach sich zieht, können je nach Ausprägung der Verengungen oder Veränderungen an den Herzkranzgefäßen folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

• Interventionelle Behandlung mit einem Ballonkatheter und/oder Stentimplantation (siehe dort)
• Operative Verbesserung der Durchblutung am Herzen durch Anlage sog. Bypässe. Heute sollten dies in der Regel 1 oder 2 sogenannte arterielle Grafts sein (linke und rechte Arteria mammaria interna, ggf. Arteria radialis). Je nach dem, wie viele Bypässe notwendig sind, ist häufig ist zusätzlich noch eine Venenentnahme aus dem Unterschenkel notwendig.
• Medikamentöses Vorgehen ohne Notwendigkeit für eine Ballonaufweitung oder Bypass-Operation. Diese Vorgehensweise wird meist bei nur gering oder mäßig ausgeprägten Verengungen an den Herzkranzgefäßen gewählt. Sie besteht dann überwiegend in der Vorbeugung, um eine Verschlechterung der Erkrankung zu vermeiden. Neben Änderungen der Lebensführung kann dies auch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten einschließen.
• Ballondilatation (PTCA)/Stentimplantation. Falls die bei uns oder auswärts durchgeführte Herzkatheteruntersuchung eine umschriebene Verengung an einem größeren Herzkranzgefäß gezeigt hat, ist die Behandlungsmethode der Wahl in der Regel die Aufweitung des verengten Gefäßes mit Hilfe eines Ballonkatheters (Ballonangioplastie). Ist die Herzkatheteruntersuchung in unserem Labor erfolgt, wird die Ballonangioplastie in der Regel direkt an die diagnostische Untersuchung angeschlossen.

Im Unterschied zur diagnostischen Herzkatheteruntersuchung sind bei der Behandlung mit Katheter in der Regel geringfügig dickere Herzkatheter notwendig, über die dann dünne Drähte, Ballonkatheter oder auf Ballonkatheter montierte Gefäßstützen (sog. Stents) in die Herzkranzgefäße geführt werden können.

Bei der Mehrzahl der Ballonangioplastien werden heute Stents aus Edelstahllegierungen verwendet, da sich das Einsetzen von Stents gegenüber der reinen Ballonangioplastie als sicherer erwiesen hat, sowohl hinsichtlich des Eingriffs selbst als auch hinsichtlich des langfristigen Ergebnisses nach 6 Monaten. In Einzelfällen, z. B. bei sehr kleinen Gefäßen oder Veränderungen innerhalb eines bereits früher eingesetzten Stents, kann jedoch eine alleinige Ballonerweiterung das sinnvollere Verfahren sein.

Seit dem Frühjahr 2002 sind in Deutschland auch die sog. „drug-eluting" Stents erhältlich, die mit einem speziellen Medikament beschichtet sind, welches die Wiederverengung von eingesetzten Stents verhindern soll. Diese Wiederverengung (sog. In-Stent-Restenose) ist die „Achillesferse" der Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße mit Ballonkathetern oder Stents. Abhängig vom Gefäßdurchmesser, der Länge der Verengung und weiteren individuellen Risiken des Patienten tritt eine In-Stent-Restenose nach Implantation von Edelstahlstents mit einer Häufigkeit von etwa 15-50% auf. Bei Verwendung von „drug-eluting" Stents wird dagegen eine Wiederverengung innerhalb des Stents nur bei deutlich unter 10% der Patienten beobachtet. Wir haben in unserem Medizinischen Versorgungszentrum sehr große Erfahrungen mit dem Einsatz dieser Stents und waren federführend an einer europaweiten Studie zu deren Einsatz („E-SIRIUS") beteiligt.